Mein künstlerischer Weg

Woher meine Kreativität kommt Wenn ich zurückblicke, gibt es durchaus eine künstlerische Spur in meiner Familie. Mein Vater war Kunstschmied. Kennengelernt habe ich ihn allerdings erst, als ich 14 Jahre alt war. Er zeigte mir damals Fotos seiner Arbeiten, und ich weiß noch, dass mich diese sehr fasziniert haben. Ob darin bereits eine Verbindung zu meiner eigenen Kreativität lag, kann ich nicht sagen. Die Malerei kam jedenfalls erst viel später in mein Leben – und eigentlich eher zufällig. Den entscheidenden Anstoß gab ein Geschenk: ein Acrylmalkurs. Schon bei diesem ersten Kurs war ich selbst überrascht, dass mir mein Bild so gut gelang. Dieses tiefe Versinken in den Malprozess, das heute für mich so wesentlich ist, war damals allerdings noch nicht da. Es entwickelte sich erst mit der Zeit. Der Weg in die gegenstandsfreie Malerei Eine wichtige Inspiration war für mich Norbert Mayer. Durch ihn kam ich mit der gegenstandsfreien Malerei in Berührung. Das war für mich keineswegs von Anfang an selbstverständlich. Es brauchte mehrere Anläufe, bis ich mich wirklich davon lösen konnte, etwas Bestimmtes darstellen zu wollen. Aber ich war gewillt, mich darauf einzulassen. Irgendwann begann es zu fließen. Es gab dabei nicht dieses eine Bild, mit dem plötzlich alles anders wurde. Es war vielmehr eine Entwicklung. Nach und nach lernte ich, weniger zu kontrollieren und dem Entstehungsprozess mehr zu vertrauen. Heute ist genau das ein wesentlicher Teil meiner Malerei: Ich beginne nicht mit einer fertigen Vorstellung. Farben, Formen und Strukturen entwickeln sich während des Arbeitens. Ich lasse mich auf das ein, was entsteht. Kreativität war schon vorher da Interessant ist für mich im Rückblick, dass Kreativität in meinem Leben schon lange eine Rolle gespielt hat, bevor ich selbst zu malen begann. Auch in meiner Arbeit als Lehrerin war sie mir wichtig. Mein Ziel war es, der jedem Kind eigenen Kreativität zum Ausdruck zu verhelfen. Dabei dachte ich jedoch nicht an mich selbst als Künstlerin. Ob ich ohne das Geschenk des ersten Acrylkurses irgendwann zur Malerei gefunden hätte, weiß ich nicht. Vielleicht – aber wahrscheinlich zu einem späteren Zeitpunkt. Heute erscheint mir die Malerei deshalb weniger wie ein vollkommen neuer Abschnitt meines Lebens, sondern eher wie etwas, das schon lange in mir angelegt war und irgendwann seinen Weg nach außen gefunden hat. Bin ich eine Künstlerin? Mit dem Begriff „Künstlerin“ gehe ich bis heute eher zurückhaltend um. Ich sehe mich selbst nicht unbedingt als Künstlerin im engen Sinne. Ich empfinde mich vielmehr als einen Menschen, der auf mehreren Ebenen künstlerisch tätig ist. Denn meine Kreativität zeigt sich nicht nur in der Malerei. Sie findet sich auch in meinen Schmuckarbeiten, in meinen Filzarbeiten und in anderen Dingen, die ich mit meinen Händen gestalte. Die Materialien und Techniken können sehr unterschiedlich sein – und trotzdem glaube ich, dass sich eine künstlerische Note durch all meine Arbeiten zieht. Vielleicht liegt gerade darin meine eigentliche künstlerische Identität: nicht in einer bestimmten Technik, einem festgelegten Stil oder einer einzelnen Ausdrucksform, sondern in meiner Art, mich auf Materialien, Farben und Möglichkeiten einzulassen. Was meine Malerei für mich bedeutet Beim Malen suche ich nicht bewusst nach einer Aussage. Ich versuche auch nicht, etwas Bestimmtes auszudrücken. Ich male – und irgendwann beginnt dieser besondere Zustand des Versinkens. Dann tritt die Umgebung in den Hintergrund. Ich beobachte, was auf der Leinwand geschieht, reagiere darauf, verändere, überlagere, lasse stehen oder beginne noch einmal neu. Das Bild entwickelt sich aus dem Prozess heraus. Gerade deshalb überrascht mich manchmal, was andere Menschen später in meinen Bildern entdecken. Sie sehen Formen, Figuren, Landschaften oder Geschichten, die ich selbst während des Malens überhaupt nicht wahrgenommen habe. Das freut mich. Denn ich möchte dem Betrachter nicht vorschreiben, was er sehen soll. Er darf sich in einem Bild vertiefen und immer wieder etwas Neues darin entdecken. Am Ende muss ein Bild für mich auch nicht unbedingt etwas Bestimmtes darstellen. Es soll einen ansprechen. Man soll es nicht nur betrachten – man soll es fühlen.